Mickey, die Wühlmaus

Mickey1

Seit ich mit meiner Familie auf unserem Hof lebe, sind wir damit beschäftigt unserem verwilderten Garten Zone 1 unseres Permakulturtraumes abzuluchsen. Und der Garten wehrt sich. Mit so ziemlich allem, was er hat. Wir werden jedes Jahr von Abermillionen Grasmilben gebissen, einmal haben wir auch schon versehentlich ein paar Erdwespen äußerst wütend gemacht, meine Kinder streiten sich mit Ameisen um ihr Spielhäuschen (die Ameisen gewinnen dabei übrigens) und die Zecken können sich gar nicht entscheiden welchen meiner zwei Zwerge sie zuerst befallen sollen. Regelmäßig werden freigelegte Bereiche wieder von Brennnesseln, Klettenlabkraut, Schöllkraut und Brennnesseln überwuchert und die Quecke kicherte lediglich über meine Versuche sie unter dicken Schichten Karton zu gunsten von „no dig gardening“ Beeten zu ersticken.

Als überzeugter Permie versuche ich mich in Gelassenheit zu üben und sage mir, dass die Tierchen lediglich auf ihr Revier oder das persönliche Überleben bedacht sind und jedes wuchernde Kraut eine Zeigerpflanze ist, die mir Hinweise darauf geben kann, was ich stattdessen in der von ihr besetzten Nische pflanzen könnte. Was mir jedoch beim besten Willen nicht in den Kopf geht ist, was Mickey, die Wühlmaus in meinem Garten treibt. Googelt man nach Wühlmäusen kommt man zur Erkenntnis, das sie die Verkörperung des Bösen sein dürften. Wurzelgemüse, Blumenzwiebeln und Obstbaumwurzeln scheinen vor ihnen nicht sicher zu sein und daher müssen sie gefangen, vergiftet und vergast werden. Gartenfeind Nummer 1 sozusagen. Mickey hat noch nichts davon gemacht. Mickey ist einfach nur nervig. Hingebungsvoll untergräbt sie all meine Waschbetonplatten, buddelt Löcher rund um die neue Feuerstelle, zerwühlt alle neu angelegten Beete und sorgt für Unordnung. Außerdem ist Mickey furchtlos. Gestern hat sie seelenruhig vor den Augen zweier aufgeregter Kleinkinder und meinem Mann ohne Fluchtversuche darauf gewartet, dass ich meine Kamera hole um mir Modell zu stehen. Währenddessen haben ihr meine Kinder übrigens auch diesen Namen gegeben und wollten sie eigentlich auch streicheln, wenn mein Mann sie nicht davon abgehalten hätte.

Vermutlich wäre dies die Gelegenheit gewesen, um für ein unspektakuläres Mickeymausaus zu sorgen. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Denn schließlich wollen wir einen Lebensraum und kein Kriegsgebiet erschaffen. Wer sich für einen Naturgarten entscheidet kriegt halt nicht nur bunte Schmetterlinge und pummelige Hummeln. Ich vertraue darauf, dass der Garten sein Gleichgewicht (und ein Mauswiesel oder ähnliches seinen Weg in den neu errichteten Steinhaufen) finden wird. Bis dahin hoffe ich, dass Mickey uns unsere pazifistische Einstellung dankt und fleißig Queckenwurzeln mampft.

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