Werkzeugfetischismus

Da ich in der Kategorie „Toolbox“ konkrete Anleitungen für kleinere und größere Projekte posten werde, möchte ich zunächst mit einer leicht philosophischen Abhandlung über Werkzeug beginnen: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne.“ Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Ergänzend solle man noch dazu sagen: „… Und für gewöhnlich geht irgendwann auch der Hobel kaputt.“ Der Eroberung unseres Gartens fielen bereits 1 Schlagbohrmaschine, 1 Bohrhammer, 1 Winkelschleifer, mehrere Äxte, 1 Vorschlaghammer, 1 Rechen, 1 Apfelpflücker, 1 Besen, 1 Spaten und 1 Unkrautausstecher zum Opfer. Vermutlich waren es sogar noch ein paar Sachen mehr, an die ich mich einfach nicht mehr erinnern kann. Nur wenig Werkzeug scheint (primär) mit der Ausdauer meines Mannes mithalten zu können und statistisch gesehen scheint es bevorzugt an Sonntagen oder zumindest nach Ladenschluss zu Bruch zu gehen. Unsere Töchter kommentieren das meist nur mehr trocken mit: „Der Papa hat schon wieder was kaputt gemacht.“ Wirklich ärgerlich daran ist, dass sich das wenigste davon wieder richten lässt, was meistens an irgendeinem Plastikverbindungsstück liegt, dem man die Funktion einer mutwilligen Sollbruchstelle andichten könnte. Wie dem auch sei, Reparieren scheint aus der Mode gekommen zu sein. Oder Werkzeugeinsatz, der über gelegentliche Liebhaberei hinausgeht. Ich bin mir da nicht so sicher.

Für all jene, die mit dem Gedanken spielen, sich ebenfalls einen „Bastlerhit“ oder einen unvernünftig großen Garten zuzulegen, möchte ich daher an dieser Stelle unsere wichtigsten Erkenntnisse in Sachen Werkzeug schildern:

  • Nein, es rechnet sich nicht zum vermeintlich „günstigeren“ Werkzeug zu greifen. Entweder es geht kaputt oder es geht auf deine Zeit oder deine Gelenke, weil Ergonomie, Hebelwirkung oder sonstiges zu wünschen übrig lassen. (Ganz zu schweigen von der Ressourcenverschwendung.)
  • Wenn du vorhast intensiv mit einem Werkzeug zu arbeiten, nimm nicht die billigere Variante mit weniger Leistung. Es wird damit enden, dass du das Ding irgendwann unter Wert verschleuderst und du dir – die liebevoll stichelnden Kommentare deines Partners so gut wie möglich ignorierend – endlich das Werkzeug kaufst, dass du eigentlich von Anfang an haben wolltest. Ja, sowas soll wirklich vorkommen. *grins*
  • Freue dich darüber, dass es viele Werkzeugsammler gibt, die Werkzeugbenutzern gern günstig gute Geräte überlassen, um wieder neuen Platz für ihre Sammelwut zu schaffen. Über die gleichen Kanäle wirst du auch deine eigenen Fehlkäufe wieder los.
  • Wenn du dir die Profivariante eines Werkzeuges nicht leisten willst oder kannst, such dir zumindest jenes aus, auf das möglichst viele Jahre Garantie gegeben werden und hebe die Rechnung gut auf – du wirst sie früher oder später brauchen!
  • Jedes Werkzeug, dass dir essenziell Zeit und Kraft spart, ist sein Geld Wert. Beim Renovieren eines alten Gebäudes und im partiellen Selbstversorgerdasein geht einem nie die Arbeit aus und man muss mit seiner Energie haushalten.
  • Dennoch braucht nicht jedes Werkzeug ein Stromkabel oder einen Motor. Eine Sense kann weit mehr Spaß machen als ein Rasentraktor.
  • Über Werkzeug sollte man sich freuen können, wenn du es nur ansiehst. Motivation ist alles. Besonders bei Aufgaben, die einem nicht besonders liegen. Gäbe es eine Makita-Waschmaschine, würden wir sie uns ganz bestimmt zulegen. 🙂
  • Je größer dein Grundstück ist, um so wichtiger ist es, Werkzeuge mit Akkus zu haben. Ansonsten wirst du entweder sehr viel Zeug unnnötig durch die Gegend schleppen oder viel Zeit damit verbringen, Verlängerungskabel ab- und aufzurollen.
  • Sorge dafür, dass du das Werkzeug schnell und sicher verstauen kannst, wenn du es nicht mehr brauchst. – Besonders wenn der Garten groß und die Kinder klein sind …
  • Und zu guter letzt: Manchmal darf man Werkzeug auch einfach kaufen, weil man es haben will. 🙂

Pollux Hydra

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Werkzeugfetischismus

  1. Hallo 🙂
    Bei uns kommt Dinge reparieren eigentlich gerade wieder so richtig in Mode….vielleicht gibt es ja soetwas auch bei euch in der Nähe. In Landsberg am Lech betreiben meine Schwiegereltern ein Repaircafe. Da wird alten oder kaputten Dingen wieder Leben eingehaucht. Das wäre genau das Richtige für euren Werkzeugverschleiß ;@)

    http://efi-landsberg.de/repaircafe/

    Alles Liebe
    Barbara

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